Frei, mutig und nackt! Aus der Krise in die Selbstliebe

Es muss nicht alles glänzen, was Gold ist

 

Ich habe mir lange überlegt, ob ich diesen Artikel schreiben soll. Der Grund weshalb ich es nicht tun wollte? Eine Krise ist auch heute noch ein Tabuthema. Gegen Aussen muss doch alles glänzen, funkeln und blenden. Ich treffe viele Menschen, denen es so ergeht und in einer Krise feststecken. Sie verharren stillschweigend im Mangel und hoffen, dass sich die Zeiten irgendwann mal wieder ändern. Das Schweigen bringt keine Heilung. Im Gegenteil, der Druck kann enorm ansteigen. Eine Abwärtsspirale entsteht und der Schlamassel könnte perfekter nicht sein.

Nicht mehr und nicht weniger

 

Geschwiegen und vertuscht wird, um dem Zeigefinger der Gesellschaft zu entkommen. Und genau aus diesem Grund habe ich mich nun doch entschieden, diesen Artikel zu schreiben.  Weil ich Mut machen will, weil ich denke, dass es an der Zeit ist, offen darüber zu sprechen. In vollem Respekt und Wertschätzung.

 

Eine Krise ist der Aufruf unserer Seele, unser Leben neu auszurichten. Nicht mehr und nicht weniger. 

 

 

Meine Story

 

Aussergewöhnlich Normal

 

Wenn ich so an mein Leben zurück denke, dann überkommt mich ein schweres Gefühl. Ich habe mich immer sehr schwer damit getan, mich als kreative Seelenrebellin anzunehmen. Ich habe ich mich als "nicht normal" empfunden. Besser gesagt, ich bekam es auch immer wieder so zu spüren. Viele Jahre habe ich damit verbracht, herauszufinden, was mit mir nicht stimmt. Weshalb ich so komisch bin und in kein Schema zu passen scheine. ADHS, Asperger, Hochsensibel, Hochsensitiv? Alles durch gearbeitet. Ergebnis 1: Ja, womöglich alles zusammen :D) Ergebnis 2: Und? was bringt es mir? Irgendwie nichts. Denn ich bin ja dann immer noch so, wie ich eben bin.

 

 

Meine graue Schuhschachtel

 

Also habe ich versucht, mich in eine graue Schuhschachtel zu zwängen. Einfach so, damit ich endlich Ruhe habe von meinem Umfeld, das mir immer wieder vor Augen führte, was ich doch alles noch an mir optimieren sollte, damit es sich mit mir zu leben lasse.

 

Nun gut, hier noch ein bisschen quetschen und da noch ein bisschen "stungge" und Autsch, hier tut es weh, da drückt und ziept es, aber hey, ich hab's gleich und werde mich schon daran gewöhnen! Irgendwie ist es gar nicht so übel. Grau ist ja auch eine Farbe. Eh, nein, eben nicht. Es besteht aus den 2 "Kein-Farben" Schwarz und Weiss. Die Anwesenheit aller Farben und die Abwesenheit aller Farben. Also ist Grau gleich Nichts. Wie in Mathe. 1 + (-1) = NULL. Klar oder? 

 

 

Lebendiger Tod

 

Farbe hin oder her, ich dachte, wenn ich mich nur ein bisschen mehr anstrenge, dann schaff ich es, erwachsen zu werden. Still und leise, so dass ich niemanden störe und nicht mehr auffalle. Und weisst du, was dann passiert ist? Vom brennenden Feuer in meinem Herzen war noch ein erbärmliches Häuflein Glut übrig. Ja mehr Asche als Glut. Ich war schon fast tot. Ein lebendiger Tod. So fühlte es sich an. Ich wurde krank. So richtig krank. Erschöpfungsdepression und Ängste. Antriebslos, lethargisch, perspektivenlos, müde. Lustlos, freudlos.

 

 

Von mir selbst

 

Meinen Kummer habe ich versucht zu ertränken. Nicht im Wasser. Nein, das war zu wenig effektiv. Ich begann abzudriften, mein Leben ist ausser Kontrolle geraten. Ich wurde gesteuert, hin und her geschleudert. Ich wusste nicht mehr, wer ich bin. Was ich will. Mein Lebenssinn und mein Warum... Im Keller eingesperrt. Von mir selbst. Vergessen. Von mir selbst. Ignoriert. Von mir selbst. Einspruch: abgelehnt. Von mir selbst.

 

Mein Leben war bis dahin ein Gefühlschaos erster Klassse. Ich wusste oft nicht, wo mir der Kopf steht. Alles ging Bachab. Unaufhaltsam. Mein Leben ist mir davon geflossen. Alleine. Ja, warum sollte es auch auf mich warten? Stur wollte ich im Tod verharren. Im glauben, es sei das Leben.

 

 

Dramaland-Dschungel

 

Ich hatte mich verirrt. Im Dschungel meines Dramalandes. Fühlte mich als Opfer. Ohnmächtig und verloren. Ich verlor meinen Job, meine Wohnung, der Vater meines Sohnes - ausgewandert. Tschüss und weg. Die Ausbildung zur Sozialpädagogin? Nach 10 Monaten vorbei. Ich habe alles verloren, was mir wichtig war, alles über das ich mich definiert habe. Ich stand da und fühlte mich wie ein NICHTS!

 

 

Kamikaze - Überdimensionaler Wille

 

Ich hatte noch mich, mein Kind und meine Katze. Angekommen am Tiefpunkt meines Lebens, holte ich mir Hilfe im Aussen. Ich besuchte Seminare und startete mit meiner letzten Kraft die Ausbildung zum Coach. Diese Entscheidung war die beste meines Lebens. Ich stürzte mich voll Crash in jedes Coaching, entblösste mich vor der ganzen Gruppe. Es war mir egal. Ich ging meine Themen kompromisslos und ernsthaft in der Tiefe an. Nackt und entblösst. Mein Spitzname während der Ausbildung war Kamikaze :D) Mein Gesicht wahren? Ach komm...! Haben wir nicht alle unsere Themen? Mein Wille aus dem Dschungel auszubrechen war überdimensional. Koste es was es wolle. Ich brauchte eine Machete und einen Tourguide. Alleine schaffe ich es nicht, das war mir klar. Also los. Der Dschungel wartet...

 

 

Krokodile, Tiger und giftige Schlangen

 

Step by Step bahnte ich mir Seite an Seite mit meinen Guide den Weg durch das wuchernde Grün, durch die Moskitos und die schlingenden Lianen. Manchmal hab ich mich verheddert und blieb stecken. Manchmal musste ich wieder ein paar Schritte zurück und einen anderen Weg frei machen. Ich bin umgefallen und wieder aufgestanden. Nein, nicht nur einmal.

Und ja! Es gab wilde Tiere, Abgründe und tiefe Schluchten, dunkle Gewässer mit Krokodilen und Giftigen Schlangen. Ehrlich!

 

Manchmal wäre ich gerne sitzen geblieben. Weinend und versteckt irgendwo im Dickicht, darauf wartend vom nächsten Tiger gefressen zu werden. 

 

 

Das falsche Ende

 

Mein Tourguide hat das nicht zugelassen. Er hat mir immer und immer wieder einen sanften aber klaren Tritt in den Hintern verpasst.

 

"Steh auf. Du wählst das falsche Ende meine Liebe. Es wartet etwas auf dich, das du dir noch nicht mal vorstellen kannst."

 

 

Die Kraft aus dem Himmel

 

Vertrauensvoll rappelte ich mich hoch und kämpfte weiter. Ja es war ein Kampf. Oft ging mir die Power aus, um sie im nächsten Moment wieder zu finden. Wenn du für deine Herzensangelegenheit kämpfst, wirst du immer genügend Kraft haben. Egal wie erschöpft und tief du im Schlamm feststeckst. Die Kraft kommt von irgendwo her und trägt dich weiter und weiter. Ja ich glaube, sie kommt direkt aus dem Himmel. 

 

Je mehr ich begriff, wie das Leben funktioniert, welchen kosmischen Gesetze ich unterliege, schmerzhafte Erinnerungen und Verletzungen auflösen konnte, desto leichter kam ich auf meinem Weg voran. Fast unbemerkt wurde der Dschungel immer lichter und der Weg immer einfacher. Ich habe das Ende des Dramalandes erreicht. Ich konnte es kaum fassen! Dort, an diesem Punkt zurückschauend, ist es mir ein Rätsel, wie ich da überhaupt rein gekommen bin!

 

 

Das seltsame  Tor zum Wunderland

 

Erleichtert und überglücklich schritt ich meinen Weg voran. Bis zum grossen Tor, des grossen Wunderlandes.

 

Aber Achtung! Da passiert etwas sehr seltsames.

Obwohl es mein grösster Wunsch war, durch dieses Tor zu schreiten, warteten dort auf dieser Schwelle meine Ängste auf mich. Sie wollen sicher sein, dass ich es wirklich ernst meine mit diesem Wunderland. Sie haben mich nicht einfach so herein gelassen. Nein, nein.  Versteh mich bitte nicht falsch. Es war niemand da, der mich daran hinderte über die Schwelle zu treten. Ich selbst war es. Es sind MEINE Ängste.

 

Die Angst davor, nicht gut genug zu sein, die Angst davor, verlassen zu werden, die Angst davor, mich zu zeigen, die Angst davor zu gut zu sein, die Angst davor, nicht geliebt zu werden und ganz viele mehr.

 

 

Das Wunderland spielt keine Spielchen!

 

Das Wunderland spielt nämlich keine Spielchen. Da gibt es keine Abhängigkeiten und Verstrickungen! Da gibt es nur Klarheit, Freiheit und die Verantwortung für mich selbst. Da ist niemand, dem ich die Schuld für meine Misere geben kann. Nö, das geht da nicht. Da muss ich schon alleine hinstehen für mich und meine Wünsche.

 

Da sagt auch niemand, "Nein, das geht nicht." "Nein, du darfst nicht" "Nein, du musst"! Musste auch gar nicht suchen gehen. Es gibt echt niemand, der daran schuld ist, dass ich dies oder das gerade nicht tun kann. Nur ich alleine.

 

 

Nichts für schwache Nerven

 

Im Wunderland gibt es ganz wichtige Aufgaben! Nämlich: gut für dich selbst sorgen, deine eingenen Grenzen achten, deiner  Intuition folgen, mutig sein. Ja man könnte fast sagen, das Wunderland ist nichts für schwache Nerven.

 

Willst du im Wunderland Leben, dann gibt es nur eines:

 

Blühen! Dich zu deiner Farbe bekennen, über dich hinauswachsen, deine Maske ablegen. Verletzlich sein. Demütig sein. Nackt sein.

 

Hmm... da kommt mir gerade beim schreiben etwas in den Sinn,. Adam und Eva waren doch im Paradies auch nackt :) Vielleicht hat das auch seine Bedeutung?!

 

 

Mutig Nacktsein

 

Sich nackt zu zeigen, verlangt Mut und die Entschlossenheit, es mit sich selbst und dem Leben wirklich ernst zu meinen. 

 

Als ich dieses Tor zum grossen, weiten Wunderland durchschritten hatte,  warteten unglaublich viele Geschenke auf mich. Ich tauchte ein, in die Fülle, begann das Leben zu lieben und wachte jeden Morgen mit Freude auf. Ich freue mich heute daran, den neuen Tag voll auszukosten, zu wachsen und zu blühen. Meine Ängste zu überwinden, war keine einfache Sache. Aber die Mühe war es so was von wert. Keinen Tag möchte ich zurück in das Dramaland. Nope! Da bringt mich kein Nilpferd mehr hin.

 

Klar, es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass niemals mehr Schwierigkeiten auf mich warten. Überhaupt nicht! Nur, ich sehe sie mit anderen Augen, ich erkenne die Wunder im Drama. Heute bestimme ich den Lauf meines Lebens und nicht mehr der Lauf meines Lebens mich! Das ist so unglaublich kostbar und befreiend. Ja!

 

 

Übernimm deine Macht 

 

Macht ist ein total negativ besetztes Wort. Ist ja auch logisch. Doch als, ich begriffen habe, dass ich die Macht über mich und mein Leben übernehmen muss, hat sich alles schlagartig verändert. Wenn du deine Macht abgibst, dann bist du ohnmächtig. Kannst du mir folgen? Wenn du deine Macht nicht übernimmst, dann gibst du sie ab. So einfach ist das. Und das meine liebe Leserin, solltest du echt nicht tun! Lebe deine eigene Macht aus deinem Herzen heraus. Sie ist der Grundstein für deine Schöpferische Quelle. Egal, was andere sagen, egal was andere meinen. Einfach egal. Menschen, die dich lieben und achten, werden damit keine Probleme haben. Sie werden es lieben, dich erblühen zu sehen. Menschen, die dich klein halten wollen, deine Gefühle und Bedürfnisse nicht achten, denen solltest du aus dem Weg gehen. Vielleicht kannst du sie davon überzeugen, ebenfalls zu blühen, statt dich daran zu hindern. Wenn nein. Geh. Laufe unbeirrt und in Liebe deinen eigenen Weg.

 

 

Meine Macht

 

Wie gesagt, ich habe die Macht über mein Leben zurückerobert. Und wenn etwas sicher ist, dann das, dass ich niemals wieder meine Macht abgeben werde. Es ist meine! Sie gehört mir! Du hast deine! Und die gehört dir! 

 

Mit dieser Macht in meinen Händen, kann ich heute meine Art und Weise ausleben, ohne mich kleiner zu machen als ich bin. Ich bin wie ich bin. Und das ist das beste, was mir geschehen konnte.

 

 

Wenn ich wollen würde, würde ich wollen

 

Ich will nicht in eine kleine graue Schuhschachtel reinpassen. Ich will nicht meine wilde Natur beschneiden. Ich will nicht immer leise und still sein. Ich will nicht immer lieb und angepasst sein. Ich will nicht... Nein. Und ich verlange es auch nicht von anderen.

 

Ich will Leben! Mit all den Facetten, die es mir bietet. Laut, leise, wild, lieb, frei, hilfsbereit, kreativ, langweilig, abenteuerlich, spunkig, normal, glücklich, traurig, zufrieden, ehrgeizig, genügsam, kompromissbereit, willensstark. Aber vor allem MUTIG!

 

Ich liebe mich, mein Leben liebt mich.

Ich liebe dich, dein Leben liebt dich.

 

Liebe dich, denn du bist das Beste was du sein kannst. Vielfälltig, einzigartig und viel zu schade für die graue Schuhschachtel! 

 

Mach dich frei, mach dich nackt.... Lebe mutig!

 

In Liebe

~Andréa

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Kommentare: 2
  • #1

    Elisabeth Rostek (Dienstag, 30 Mai 2017 18:11)

    Liebe Andrea,
    Ein Kompliment von mir, wie du die Challenge aufgebaut hast, war alles sehr ansprechend und anregend zum Mittun. Ich war nur 3 Tage dabei (.. meine Krise..)

    Deinen Artikel finde ich megahammer!!!!!!! Du hast eine Art zu formulieren die mir unglaublich gut gefällt und guttut.
    Besonders zu Herzen geht mir .... im Wunderland gibt es nur KLARHEIT, FREIHEIT und SELBSTVERANTWORTUNG!!!!
    Du hast ein großes Talent zu schreiben!!! Mal an ein Buch gedacht???

    Alles Liebe für dich Andrea,
    Elisabeth Rostek

  • #2

    Andréa (Mittwoch, 31 Mai 2017 11:58)

    Liebste Elisabeth, Vielen Dank für dein Kompliment. Da wachse ich doch gleich noch schneller in die Höhe :)

    Ja, mein Kindertraum war, Schriftstellerin zu werden. Bereits in der Schule habe ich Romane geschrieben, die den zeitlichen Rahmen sprengten. In letzter Zeit, habe ich es oft gehört, ich solle doch ein Buch schreiben. Vielleicht werde ich das irgendwann mal tun <3
    Ich wünsche dir eine bereichernde Zeit und hoffe, du hast deine Krise nun hinter dir lassen können und bist auf dem Weg, den Berg der Fülle wieder zu erklimmen ;)

    Alles liebe
    Andréa

Andrea Wittwer

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